[Seitenrand] Die älteste Buchhandlung Europas?

Das hier ist der erste Beitrag meiner neuen Kategorie ‚Über den Seitenrand‘. Den Namen habe ich in Analogie zu der Redewendung ‚über den Tellerrand schauen‘ gebildet. In dieser Kategorie findet ihr Beiträge, die etwas mit Büchern und meinen Reisen in der schönen weiten Welt zu tun haben. Ich reise gerne und viel und überall kann man buchige Sehenswürdigkeiten, Denkmäler etc entdecken. Dafür muss man nur die Nase aus dem Buch nehmen. Für uns Bücherwürmer eine nicht ganz so einfache Aufgabe 😀

Der erste Beitrag führt uns nach Polen, nach Krakau um genau zu sein. Diese Stadt trägt den Titel ‚UNESCO CITY OF LITERATURE‚. Ja, Krakau ist eine sehr literarische Stadt, und das aus verschiedenen Gründen:

Numerous important literary institutions have chosen to base their activity in Krakow, including the Book Institute, the most important national institution dealing with the promotion of Polish literature abroad. (Quelle)

Krakow is home to some of the first scriptoriums, libraries, and printing houses in this part of Europe. (Quelle)

Krakow’s history is closely related to the biographies of all four Nobel Prize winners in literature who wrote in Polish. (Quelle)

Numerous prestigious literary prizes are awarded in Krakow, including the Transatlantic Award for the promotion of Polish literature abroad; the Jan Długosz Prize, which is awarded to the best book of the year in the field of the broadly defined humanities (Quelle)

The literary legend of the city is to a large degree created by great poets. Krakow was a capital of literary modernism: it was here that the Polish futurists organised their literary provocations (Quelle)

Der Tagesausflug nach Krakau wurde von meiner Gastuni im Rahmen der ERASMUS-Orientierungswoche organisiert. Von Kattowitz nach Krakau sind es mit dem Reisebus 1-1 1/2 Stunden. Das Wetter war leider nicht so toll, Regen, Schneeregen und Kälte. Keingutes Wetter für eine Sightseeingtour. Mir egal, denn ich war in der ältesten Buchhandlung Europas. Also stop, der Reihe nach…

Also, 1610 gründete Franciszek Jakub Mercenich die erste europäische Buchhandlung. 1875 hatten dann Gebethner i Spòłka im selben Gebäude ihre Buchhandlung. Und seit 1998 befindet sich dort die Buchhandlung Matras. Dort, ja wo genau eigentlich? In Krakau, am Hauptmarkt, Hausnummer 23. Ganz einfach zu finden:

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Gut, zugegeben, von außen sieht die Buchhandlung eigentlich eher unspektakulär aus und als ich den Laden betreten habe, dachte ich zunächst es wäre ein stinknormaler Buchladen. Erst nachdem ich den Flyer gelesen habe, auf der Rückfahrt nach Kattowitz, habe ich gemerkt, was für einen wundervollen Ort ich besucht habe.

In der Buchhandlung gibt es alles was ein Bücherwurm braucht, Bücher, bequeme Sitzplätze und ein Caffé. Mit dem Großteil des Bücherangebots konnte ich leider nicht viel anfangen. Mit dem Sprachniveau A1 (wenn es hochkommt) kann man nicht gleich einen ganzen Roman lesen und vor allem verstehen. Natürlich gibt es auch ein Regal mit fremdsprachiger Literatur. Hauptsächlich englische Bücher und ein paar deutsche Titel waren auch zu finden. Sehr schade fand ich, dass das Angebot polnischer Literatur (in übersetzter Form) eher dürftig war. Da hätte ich wirklich etwas mehr erwartet. Aber ich habe trotzdem etwas gefunden, das zeige ich euch weiter unten.

krakau2-2Aus dem Flyer habe ich auch erfahren, dass die Sitzgelegenheiten noch aus der Zeit des 2. Weltkrieges stammen. Während des Krieges wurde die Buchhandlung von Deutschen geführt. Da war ich dann erstmal platt. Das hätte ich nämlich nicht gedacht und ohne den Flyer auch nicht erfahren.

Wie ihr oben schon gelesen habt, stammen ein paar Literaturnobelpreisträger aus Polen. Die Buchhandlung beherbergt zwei Räume, die den Nobelpresiträgern für Literatur Wisława Szymborska (Gewinnerin 1996)  und Czesław Miłosz (Gewinner 1980) gewidmet sind.

Meine Mitbringsel aus dem Buchladen sind ein Notizbuch und ein Buch (was auch sonst?!). Das Notizbuch hat es mir ganz besonders angetan… 🙂

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Es trägt den Titel „A Warsaw Notebook“ und enthält neben Fotografien von Warschau, auch Zitate aus den Werken polnischer Schriftsteller (in englischer Übersetzung) und ganz viele leere Seiten für die eigenen Gedanken. Ich weiß, ich war noch nie/nicht in Warschau, aber es gab leider kein Krakau Notizbuch. Außerdem war es das einzige Notizbuch mit englischen Zitaten. Und wer weiß, vielleicht komme ich ja noch nach Warschau, dann kann ich die Orte, die auf den Fotos abgebildet sind, besuchen 🙂

Möglicherweise werde ich das Notizbuch mit Erfahrungen und Erlebnissen füllen, die ich hier in Polen mache. Mal sehen, außerdem kann man nie genug Notizbücher haben!

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Wie ich oben schon erwähnt habe, war die Auswahl übersetzer polnischer Literatur nicht so groß. Sehr schade, ich hätte mich über eine größere Auswahl sehr gefreut. Gleichwohl bin ich fündig geworden: „Lovetown“ von Michal Witkowski. Der Roman ist bereits 2009 unter dem Titel „Lubiewo“ erschienen und die englische Übersetzung ist im Jahr 2010 auf den Markt gekommen. Das bereits erwähnte „Book Institute“ (s. 1. Zitat) hat die Veröffentlichung dieses Romans finanziell unterstützt. Für mich eine eher ungewöhnliches Buch, aber ich lasse mich gerne darauf ein und bin schon sehr gespannt was mich erwartet. 🙂

Worum es geht, hier der Klappentext:

Growing up queer in a communist state, queens Patricia and Lucretia spent the 70s and 80s underground, finding glamour in the squalor, strutting their stuff in parks, seducing Soviet soldiers, preying on drunks, and seeing their friends die of AIDS. To anyone who wasn’t there, their shamelessly embellished tales of those years seem scandalous. Now they are about to hit Lovetown – a Baltic seaside resort populated by a younger generation of emancipated gays – and they realise that being gay is no longer as interesting as it was under the communists.

Insgesamt hat mir der Ausflug nach Krakau sehr gut gefallen. Möglicherweise kehre ich noch mal zurück, wenn das Wetter schöner ist. Bei Schneeregen und unangenehmer Kälte macht Sightseeing ja nicht so viel Spaß. Gemeinsam mit den anderen Studenten habe ich mir noch das Schloss auf dem Wawel und die Wawel-Kathedrale mit Krypta angesehen. In den 1 1/2 Stunden Freizeit habe ich dann noch neben der Buchhandlung, die Tuchhallen auf dem Hauptmarkt besucht.

Seid ihr schon in Krakau gewesen? Und seid ihr dann auch in der Matras Buchhandlung gewesen? Kennt ihr andere Buchhandlungen, die man gesehen haben MUSS? Verratet es mir doch in den Kommentaren 🙂

Do widzenia! Ich freue mich schon auf den nächsten Über-den-Seitenrand-Beitrag.

Eure Wiebke

p1150677

Polen, Krakau, Hauptmarkt: Adam-Mickiewicz-Denkmal

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