[Rezension] Der lange Weg nach Hause

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Titel: Lion – Der lange Weg nach Hause
Original: A long way home
Autor: Saroo Brierley
Gelesen auf: Italienisch
Seiten: 182
Verlag: Rizzoli (Deutschland: Ullstein Verlag)
Erschienen: Dezember 2016
Preis: Kindle 9,99€

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Inhalt (Quelle: Ullstein Verlag)
Der kleine Junge schläft in einem wartenden Zug ein und fährt so ans andere Ende von Indien, nach Kalkutta. Völlig alleine an einem der gefährlichsten Orte der Welt schlägt er sich wochenlang auf der Straße durch, landet im Waisenhaus und gelangt so zu den Brierleys, die Saroo ein neues Zuhause in Australien schenken. Fünfundzwanzig Jahre später macht sich Saroo mit Hilfe von Google Earth auf die Suche nach seiner leiblichen Familie. Das Unglaubliche passiert: Er findet ein Dorf, das dem Bild in seiner Erinnerung entspricht.

Meine Meinung
Spätestens seit Slumdog Millionaire sollte bekannt sein, dass Indien nicht gleichzusetzen ist mit dem was man in den buntschillernden und musikalischen ‚Gute-Laune‘-Bollywoodfilmen sieht. Der Roman „Lion – Der lange Weg nach Hause“ zeigt Indien von eben dieser anderen Seite. Die Geschichte von Saroo beschreibt die Armut, den Hunger und das Leben (kann man das überhaupt Leben nennen?), eher den Kampf der obdachlosen Kinder und Waisen auf Indiens Straßen.

Ich glaube fast jeder kennt das Gefühl, wenn man als kleines Kind seine Mutter oder seinen Vater im Supermarkt aus den Augen verliert. Diese Panik, die innerhalb eines Sekundenbruchteils aufkommt und nicht wieder verschwindet, ehe man nicht in Sicherheit ist, in den Armen der Mama oder des Papas. Saroo hatte nicht das Glück seine Mutter im Supermarkt zu verlieren. Für ihn war es tausendmal schlimmer, für uns gar nicht mehr nachvollziehbar. Ein Schicksalsschlag, so nennt man das wohl. Ich bewundere den Autor, der während seiner Suche so viel Mut, Durchhaltevermögen und Hoffnung an den Tag gelegt hat. Von besonderer Bedeutung ist die Hoffnung, die er niemals verloren hat, nachdem er mit nur fünf Jahren (!!!) in einen Zug steigt, einschläft und in der Millionenstadt Kalkutta wieder aufwacht. Weit weit weg von seiner Familie. Er wird adoptiert, von einem Paar in Australien und erst nach 25 Jahren kann er, dank Google Earth, seine Familie wieder in die Arme nehmen.

Erschreckend, traurig und schön – so möchte ich das beschreiben was Saroo erlebt und erlitten hat. Es ist erschreckend und traurig was ihm passiert ist, welche Herausforderungen er überwinden musste. Herausforderungen, denen sich nicht mal ein durchschnittlicher Erwachsener jemals stellen muss. Es ist paradox, es ist eine traurige Geschichte, weil sie zeigt wie viel Glück er hatte. Wäre er nicht ins Waisenhaus gekommen und adoptiert worden, dann wäre ihm dasselbe Schicksal widerfahren, wie all den anderen Straßenkindern. Schlimm, zu welchem Preis ihm dieses Glück widerfahren ist. Traurig-schön, weil er eine zweite Chance bekommen und sie genutzt hat.

Dieses Buch hat mir mal wieder gezeigt, wie gut ich es habe. Ich habe ein Dach über den Kopf, genug Essen und habe die Möglichkeit im Ausland zu studieren. Da bekommt man fast ein schlechtes Gewissen, wenn man Saroos Geschichte liest. Die Geschichte hat mich aber auch gelehrt, das Beste aus meinen Chancen zu machen und nicht zu zögern wichtige Entscheidungen zu treffen.

Über einen Aspekt bin ich mir noch nicht ganz im Klaren, ob ich ihn als positiv oder negativ bewerten soll. Während der Lektüre hatte ich stets das Gefühl, dass der Autor mit einer gewissen Distanz zu den Ereignissen steht und diese beschreibt. Die Emotionen, die er schildert sind nachvollziehbar und allgegenwärtig, aber trotzdem spüre ich in seinen Worten eine gewisse Neutralität. Es ist schwer zu beschreiben. Möglicherweise kommt es daher, dass er seine Geschichte schon so oft erzählt hat, dass daraus eine Art Routine geworden ist. Nichtsdestotrotz schmälert das den Wert der Geschichte nicht.

Fazit
Ich bekomme immer noch Gänsehaut wenn ich den Klappentext dieses Romans lese. Die Geschichte klingt so unglaublich, dass sie nur vom Leben geschrieben worden sein kann. Und so ist es auch, „Lion – Der lange Weg nach Hause“ ist eine bewegende Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Ich kann sie euch definitiv empfehlen, denn der Roman ist jede Seite wert. Die Verfilmung möchte ich auch noch irgendwann sehen.

Filmtrailer zum Buch

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