[Rezension] Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Ogawa_GeheimnisEulerscheFormel_AufbauVerlag

Titel: Das Geheimnis der Eulerschen Formel
Autorin: Yoko Ogawa
Übersetzerin: Sabine Mangold
Verlag: Aufbau Verlag
Seiten: 250
Preis: TB 8,99€
ISBN: 978 3 7466 2944 5

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Klappentext
Seit einem Unfall währt das Gedächtnis eines Professors nicht länger als 80 Minuten. Dann gewinnt eine neue Haushälterin sein Vertrauen. Über die faszinierende Welt der Mathematik kommen sie einander näher, und mit jeder neuen Gleichung, jedem neuen Zahlenrätsel entstehen zwischen ihnen Bande, die stärker sind als der Verlust der Erinnerung. Bis die Schwägerin des Professors dem ein Ende setzt…

Meine Meinung
Diese Geschichte besitzt einen ganz besonderen Charme, der mich direkt angesprochen hat. Obwohl ich ein ziemlicher Mathemuffel bin, bin ich gerne in diese Welt aus Zahlen und Formeln eingetaucht. Sie sind auch einfach auf einer wunderschöne Art und Weise von der Autorin in Wörter verpackt worden, dass sie mit einer derartigen Leichtigkeit daherkommen, dass man gar nicht merkt, dass es hier irgendwie um (höhere) Mathematik geht. Der Roman ist einfach eine Liebeserklärung an die Mathematik und die Nächstenliebe. Am liebsten haben mir die Passagen über die Primzahlen gefallen. Die Autorin beschreibt mit einer leichten, zarten und sehr bildhaften Sprache die Mathematik von ihrer schönen Seite. Man könnte fast meinen, dass die Geschichte beweist, dass man nicht auf Kriegsfuß mit der Mathematik stehen muss bzw. sollte.

Den Gedanken, dass sich aus einem Arbeitsverhältnis eine so tiefgehende Freundschaft entwickelt, finde ich einfach herzerwärmend; das hat ganz eindeutig einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Manchmal muss man in die Welt des jeweils anderen eintauchen, um sie zu verstehen. Das Schicksal des Professors ist ganz besonders bewegend. Man fragt sich, was bei einem selbst so stark verankert ist, dass es trotz ständigem Gedächtnisverlust, bestehen bleiben würde. Welche ist meine Leidenschaft, die mir in so einer Lebenssituation als Konstante dienen könnte? Die Autorin hat die Endlichkeit des menschlichen Verstandes gegenüber der Unendlichkeit der Zahlen auf eine sehr beeindruckende Art und Weise beschrieben.

Die Figuren tragen im Roman keine richtigen Namen, lediglich Bezeichnungen, die ihre Rollen verdeutlichen. Nur der Sohn der Haushälterin erhält einen Spitznamen. Trotzdem hat es die Autorin geschafft diese Figuren sehr lebendig zu gestalten, ihnen Leben einzuhauchen und die Zahlen tanzen zu lassen. Andere Autoren, die ihren Figuren noch so schöne Namen geben, schaffen dies oft nicht.

Mir ist noch aufgefallen, dass mir der deutsche Titel viel besser gefällt als der englische Titel: „The Professor and the Housekeeper“. Ich halte diesen Titel für viel zu generisch, wohingegen der deutsche Titel, den Inhalt viel besser erfasst und den rätselhaften und melancholischen Charakter des Romans zum Ausdruck bringt (der Titel war letztendlich ausschlaggebend für den Kauf).

Fazit
Der Roman beweist: Mathematik ist etwas für jung und alt. Trotzdem werde ich jetzt ganz sicher nicht umschwenken und Mathematik studieren. Nein, so groß ist meine Begeisterung nun doch nicht (:D). Aber ich möchte euch den Roman trotzdem ans Herz legen, weil er sehr viel Wärme ausstrahlt und zeigt, dass das Glück manchmal in ‚befreundeten Zahlen‘ liegt.

Lieblingszitate
„Zahlen waren für ihn eine Geste, dem anderen die Hand zu reichen, und zugleich ein Mantel, der ihm Schutz bot. Ein Mantel so dick und schwer, dass er unantastbar blieb und niemand ihn bloßstellen konnte.“ (S. 13-14)

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